Neukölln Tourismus

Lassen Sie sich Ihre Verbindung heraussuchen

Hufeisensiedlung in Britz, Neukölln, Berlin

« Zurück

Auf dem Gebiet des ehemaligen Rittergutes Britz im Berliner Bezirk Neukölln sollte eine Siedlung mit etwa 2000 Wohnungen entstehen. Bruno Taut war als verantwortlicher Architekt und Stadtplaner der ehemals gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft GEHAG für die Planung der einen Hälfte der Großsiedlung mit dem Hufeisen als Mittelpunkt verantwortlich. Zusammen mit Stadtbaurat Martin Wagner entwickelte er das stadtplanerische Konzept der Hufeisensiedlung. Beide Anhänger des Neuen Bauens wollten industrielle Arbeitsmethoden im großen Stil auf das Bauwesen übertragen. Typisierte Wohnungen und Gebäude sowie Großproduktion sollten dessen Vorteile herausstellen. Martin Wagner nutzte den Bau der Siedlung als Möglichkeit für Studien über wirtschaftliches Bauen.

Taut brachte bei der Planung seine Erfahrungen mit der gemeinsam mit Ludwig Lesser geplanten Gartenstadt Falkenberg ein. Trotz hoher Dichte und Betonung des Stadtraumes werden den Grün- und Freibereichen ein hoher Stellenwert eingeräumt. Mit der Freiraumplanung der Hufeisensiedlung wurde der Gartenarchitekt Leberecht Migge beauftragt, zur Ausführung kamen jedoch die Pläne des Neuköllner Gartenamtsleiters Ottokar Wagler, die in Teilen auf die Planungen Migges aufbauten, allerdings etwa den Grünanlagen im Hufeisen stärker repräsentativen Charakter zuwiesen und damit Migges Planungen zum öffentlichen Nutzwert von Grün- und Teichfläche ignorierten. Die Grünanlage umfasst einen öffentlichen Teil im Zentrum sowie direkt an die Häuser angeschlossene private Gärten. Diese wurden in Hinblick auf ein geschlossenes Bild nach einem Grundlagenplan von Migge gestaltet.

Das rund 350 Meter lange, aus mehreren gleichartigen Modulen hufeisenförmig gebogene Hauptgebäude umschließt einen Pfuhl, eine aus der Eiszeit übriggebliebene und in ihrem Uferverlauf leicht begradigte Grundwassersenke. Rund um das, im Zentrum des ersten und zweiten Bauabschnitts liegende, „Hufeisen“ gruppieren sich mehrere auf den zentralen Bau bezogene Straßenzüge in Zeilenbauweise. Eine weitere interessante städtebauliche Figur findet sich auf der Westseite des Hufeisens, mit der rhombenförmigen Platzanlage, die „Hüsung“, die Ähnlichkeiten mit einem Angerdorf aufweist und in ihrer Namensgebung auf das Werk Fritz Reuters verweist.



Bauabschnitte und Formensprache

Die Hufeisensiedlung wurde zwischen 1925 und 1933 in insgesamt sieben Bauabschnitten errichtet. Der zwischen 1925 und 1930 errichtete Kernbereich der denkmalgeschützten Siedlung erstreckt sich über insgesamt sechs Bauabschnitte und rund 29 Hektar Fläche. Er wurde mit 1285 Wohnungen, die meistens in straßenbegleitend gesetzten dreigeschossigen Bauten untergebracht sind, sowie 679 jeweils mit Gärten versehenen Reihenhäusern bebaut. Der nach 1932 errichtete siebte Bauabschnitt befindet sich südöstlich der Kreuzung Fritz-Reuter-Allee und Parchimer Allee und entstand ohne Beteiligung Bruno Tauts. Bau- und kulturhistorisch interessant ist besonders der Vergleich der ersten beiden Bauabschnitte nördlich der Parchimer Allee mit dem gegenüberliegenden südlich gelegenen sechsten Bauabschnitt. Hier sind wie an keinem anderen Ort in Berlin die architektonischen Leitbilder der Entstehungszeit – Gartenstadtbewegung, Reformwohnungsbau und Neues Bauen – direkt ablesbar.

Zeigt sich bei den im ersten und zweiten Bauabschnitt rund um das Hufeisen errichteten 472 Reihenhäusern eher eine idyllisch-dörfliche, von Gartenstadt-Motiven inspirierte Anmutung mit ziegelgedeckten Giebeldächern, Sprossenfenstern und nach hinten gelegenen, auch über schmale Wirtschaftswege erreichbaren Hausgärten, so wirkt das Bild des südlich der Parchimer Allee beginnenden sechsten Bauabschnitts urbaner und rückt formal deutlicher in die Nähe des Neuen Bauens. Auch die Dächer der von 1929 bis 1930 erbauten in zwei mal sieben Zeilen angeordneten 207 Reihenhäuser sind jetzt als flaches Pultdach ausgeführt, die Fensterflächen sind größer und wurden als „Kämpfer-Pfosten“-Konstruktionen realisiert und im Bereich der Küchenfenster horizontal asymmetrisch gegliedert. Die Gärten verlegte man ab 1929 auf die Vorderseite. Entlang der die Häuser erschließenden Stichwege zeigt sich die für den späteren Siedlungsbau typische Zeilenbauweise.

Knapp 200 Meter weiter östlich, entlang der Buschkrugallee finden sich die von 1927 bis 1929 errichteten Bauabschnitte 3 bis 5. Bei den Bauten dieser Bauabschnitte handelt es sich ausschließlich um den gleichen Typus, wie er schon zu den größeren Straßen entlang der Ränder des ersten, zweiten und sechsten Bauabschnitts errichtet wurde – straßenbegleitende, ebenfalls flach gedeckte dreigeschossige Wohnhäuser mit Eineinhalb- und Zweieinhalbzimmerwohnungen und halbhohem Trockengeschoss.

Bedeutung, Erhaltungszustand und Eigentumssituation

Die Hufeisensiedlung war richtungsweisend für die Siedlungsarchitektur der 1920er und 1930er Jahre und ist auch heute noch trotz der relativ kleinen Wohnflächen zwischen 49 m² und 124 m² nicht nur eine architektonische Ikone von Weltrang, sondern auch ein beliebtes und attraktives Wohngebiet. Mit Ausnahme des zentralen Hufeisens sind alle Bauten zu Zeilen aufgereiht und jedem Haus ist ein eigener Mietergarten zugeordnet. Die Gesamtanlage ist sehr grün und befindet sich in unmittelbarer Nähe zu dem seit 2010 projektierten neuen Kulturstandort Schloss- und Gutshof Britz. Beim Flanieren durch die Siedlung wird deutlich, wie wichtig speziell die Gestaltung der Vorgärten war und ist. Alle Vorgärten im ersten und zweiten Bauabschnitt wurden durch Ligusterhecken umschlossen und jede Straße erhielt eine eigene Baumsorte. Heute sind die für das Bild einzelner Straßen typischen Baumsorten nur noch lückenhaft vorhanden, da sie in den 1970er Jahren teilweise durch Parkplätze ersetzt wurden. Auch die nach hinten gelegenen Hauptgärten und die Gärten des sechsten Bauabschnitts erhielten eine durchgängige Grundbepflanzung, von der besonders die in zwei Reihen durchgängig gepflanzten Obstbäume das lebendige Bild der Siedlung prägten.

Bis 2000 war die Siedlung im Besitz der, als kommunales Wohnungsbauunternehmen gegründeten, GEHAG. Seitdem werden die 679 Reihenhäuser bei Auszug der Mieter als Einzeleigentum veräußert. Das Hufeisen selbst sowie alle Geschosswohnungsbauten befinden sich nach wie vor im Eigentum der GEHAG, die unter dem Dach ihres Rechtsnachfolgers, der Deutsche Wohnen AG fortgeführt wird.

In den 1990er Jahren wurde die Siedlung saniert und als Gebäudeensemble unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2010 ist sie außerdem als eigenständiges Gartendenkmal in die Berliner Denkmalliste eingetragen. Der Erhalt des Denkmals als homogenes Ensemble liegt in Folge der Privatisierung heute nicht allein in den Händen der GEHAG, sondern obliegt zusätzlich der Verantwortung vieler hundert Einzeleigentümer der Reihenhäuser. Zwar existieren denkmalpflegerische Bestandsgutachten zum Erhalt der einzelnen Siedlungselemente, trotzdem stellt die komplexere Eigentumsstruktur alle Beteiligten vor neue organisatorische Herausforderungen. Um die Reihenhäuser und die begleitenden Gärten der Siedlung in ihrem kulturhistorischen Wert zu erhalten, wurde daher 2010 auf Initiative eines lokalen Fördervereins und mit Mitteln aus dem Bundesinvestitionsprogramms Nationale UNESCO-Welterbestätten eine webbasierte Informationsplattform realisiert, die mit zahlreichen Plandetails und hausindividuellen Vorgaben zu Farb-, Material- und Pflanzenwahl zur Erhaltung des homogenen Erscheinungsbildes beitragen soll. Auch im bei der farbigen Fassadenfarben, energetischen Optimierungen und denkmalgerechten Wiederherstellung der öffentlichen Grün- und Freiflächen konnte auf Mittel des Investitionsprogramms zurückgegriffen werden.

Im Juli 2008 wurde die Hufeisensiedlung zusammen mit fünf weiteren Berliner Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste des UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Quelle: Wikipedia


Hufeisensiedlung: Umgestaltung, 18.4.2011
Kurzes Video vom Stand der Umgestaltung der Hufeisensiedlung. Hier das innere Hufeisen mit dem Teich und dem Hufeisenvorplatz.